Reverse EVP

Technically impossible?

(English translation not yet finished.)

ls "Rückwärtsstimmen" werden Tonbandstimmen (TBS) bezeichnet, die sowohl in Vorwärts- als auch in Rückwärtsrichtung abgespielt einen Sinn ergeben. Besonders beeindruckend sind solche Beispiele, bei denen sich die beiden Aussagen vom Sinn her aufeinander beziehen, oder wo sogar die Rückwärtsstimme die Vorwärtsstimme fortsetzt.

Das folgende Beispiel einer Rückwärtsstimme wird immer wieder gerne demonstriert - es gilt als das Rückwärtsstimmen-Beispiel schlechthin. Hierbei handelt es sich ursprünglich um einen Ausschnitt aus Stimme Nr. 14 der Schallplatte zum Jürgenson-Buch:

Play 1. Vorwärts: "haben dolige Menschen" (dolige = schwed. böse)

Play 2. Rückwärts: "man stürzt in den Untergang"

Solche "Kunststückchen" werden von vielen TBS-Experimentatoren als "Beweis" für die paranormale Entstehung dieser Stimmen angesehen. Dies wird u.a. damit begründet, daß es praktisch unmöglich sei, so etwas technisch zu reproduzieren. Es hat zwar schon allerhand Versuche gegeben, dies zu erreichen, jedoch waren diese Versuche allesamt nicht sehr überzeugend. Das Naheliegendste wäre, den Vorwärtstext einer TBS einfach nachzusprechen und dann rückwärts wiederzugeben. Das Ergebnis solcher Versuche entsprach jedoch nie exakt der rückwärts wiedergegebenen TBS, sondern war unverständliches Kauderwelsch. Würde man beispielsweise den Satz "haben dolige Menschen" rückwärts aussprechen, erhielte man in etwa das Kauderwelsch "neschnem eligot nebah", was offensichtlich keinerlei Ähnlichkeit mit dem Rückwärts-Satz "man stürzt in den Untergang" hat:

Play 1. Vorwärts: "haben dolige Menschen" (von mir gesprochen)

Play 2. Rückwärts: "neschnem eligot nebah" (unverständliches Kauderwelsch)

Angeblich ist es sogar Tontechnikern nicht gelungen, hinter das "Geheimnis" dieser Rückwärtsstimmen zu kommen. So wurden beispielsweise einmal von Technikern des Westdeutschen Rundfunks einfach zwei selbstgesprochene Sätze mit identischer Silbenzahl parallel auf eine Tonbandspur übereinanderkopiert, wobei aber der zweite Satz vorher umgedreht wurde. Da das menschliche Gehirn auf Vorwärtssprache "geeicht" ist, wird es - unabhängig von der Laufrichtung des Bandes - immer den jeweiligen Vorwärtssatz heraushören, während es den Rückwärtssatz nur als unverständliches Gemurmel wahrnimmt und deshalb "überhört". Hier der Versuch vom WDR:

Play 1. Vorwärts: "haben dolige Menschen"

Play 2. Rückwärts: "man stürzt in den Untergang"

Obwohl das Ergebnis verblüfft, entspricht es akustisch aber nicht den bekannten TBS-Rückwärtsstimmen. Noch weniger kann es deren Entstehung erklären, da solche TBS-Rückwärtsstimmen ja nicht durch eine solche Art der absichtlichen Manipulation "hergestellt" (bzw. "getrickst") wurden, sondern i.d.R. spontan entstanden waren.

Die Tatsache, daß es also bisher niemandem so richtig gelungen ist, dieses Phänomen zu erklären oder gar überzeugend zu reproduzieren, wird, wie gesagt, in Tonbandstimmenkreisen gerne angeführt, um die "Paranormalität" dieser Rückwärtsstimmen hervorzuheben. Dabei ist die Erklärung eigentlich ziemlich simpel, wie ich gleich anhand eines Beispiels mit anschließender Demonstration erklären werde.

Der Fehler, der bei einfachen Nachsprech- und Umdrehversuchen immer gemacht wurde, war, daß die Stimme einfach zu "deutlich" gesprochen wurde und außerdem phonetisch nicht ganz korrekt. Tonbandstimmen weisen immer eine gewisse "Unschärfe" und somit einen phonetischen "Interpretationsspielraum" auf. Beispielsweise kann ich bei o.g. Beispiel "haben dolige Menschen" ohne weiteres auch Sound "haben so nie geplätschert" hören. Die Originalaufnahme der Vorwärtsstimme ist also schon relativ undeutlich und ließe theoretisch auch andere Deutungen zu. Dasselbe gilt daher auch für die Rückwärtsstimme. Der "Trick", um das Phänomen der Rückwärts-TBS technisch zu reproduzieren, ist nun der, beide Aussagen - vorwärts wie rückwärts - einander phonetisch möglichst weit anzunähern und die dadurch entstehenden Modifikationen durch "Undeutlichmachen" der Wiedergabe zu "verwischen" - im einfachsten Fall dadurch, ein Störgeräusch zu überlagern.

Im Folgenden habe ich einmal versucht, die Vorwärtsstimme "haben dolige Menschen" in derselben Tonhöhe nachzusprechen. Anschließend habe ich diese Aufnahme noch mit einem Störgeräusch überlagert, um dem Original möglichst nahe zu kommen. Hier also die nachgemachte Stimme einmal vorwärts und dann dasselbe einfach umgedreht:

Play 1. Vorwärts: "Haben dolige Menschen"

Play 2. Rückwärts: "Man stürzt in den Untergang"

Sicherlich wäre die Übereinstimmung mit dem Original noch besser geworden, wenn ich es geschafft hätte, die Vorwärtsstimme phonetisch noch genauer nachzusprechen (aber ich wollte ja meine Nachbarn nicht beunruhigen... ;-). Doch schon hierbei läßt sich erkennen, daß es im Prinzip sehr wohl möglich ist, dieses Beispiel zu reproduzieren.

Der Vollständigkeit halber hier noch einmal die von mir nachgesprochene Sequenz und das Hintergrundgeräusch als separate Samples:

Play 1. Nachgesprochene Vorwärts-Sequenz (bitte nicht lachen!) ;-)

Play 2. Überlagertes Hintergrundgeräusch


Fazit

Was bedeutet nun die Tatsache, daß es für die geheimnisvollen Rückwärtsstimmen nun zumindest eine technische Erklärung zu geben scheint, für die Tonbandstimmenforschung? Sind die Rückwärtsstimmen nun "entmystifiziert"? Ich würde das nicht sagen, denn im Vergleich zu "normalen" Tonbandstimmen stellen Rückwärtsstimmen immer noch eine "Steigerung" dar. Es ist doch nach wie vor erstaunlich, daß ein und dieselbe Phonemfolge vorwärts und rückwärts abgespielt unterschiedliche Aussagen ergeben, die inhaltlich aufeinander bezogen sind oder sich gegenseitig ergänzen. Wenn - wie zumindest meine Versuche bisher gezeigt gaben - paranormale "Umformungen" des verwendeten akustischen "Rohmaterials" bei Tonbandstimmen keine Rolle spielen, dann kommt meiner Ansicht nach nur ein Erklärungsmodell in Frage, das auf dem Prinzip der Synchronizität oder - um einen weniger psychologisch angehauchten Begriff zu verwenden - der "nichtlokalen Korrelation" beruht. Bei Rückwärtsstimmen würde dasselbe Prinzip gelten, jedoch wäre hier die Wahrscheinlichkeit, daß so etwas durch reinen Zufall entsteht, noch viel geringer und die Anzeichen für die "Paranormalität" demnach umso größer.



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